Tiergestützte Interventionen

Was sind Tiergestützte Interventionen?
Tiergestützte Interventionen sind gezielte und strukturierte Maßnahmen, bei denen Tiere in den Bereichen Pädagogik, Soziales und Gesundheit bewusst eingesetzt werden, um therapeutische Erfolge zu erzielen. Durch die Anwesenheit und den Kontakt zu den Tieren wird eine positive biochemische Reaktion im Körper des Menschen ausgelöst, bei der bindungsfördernde Hormone freigesetzt werden. Dies fördert das emotionale Wohlbefinden und unterstützt Heilungsprozesse.
Wirkung und Ziele der tiergestützten Interventionen
In den tiergestützten Interventionen erleben Menschen, insbesondere Kinder, Tiere als Partner und Unterstützer. Die Interaktion mit einem Tier kann vielfältige positive Effekte haben:
- Emotionales Wohlbefinden: Tiere vermitteln Geborgenheit und Sicherheit. Sie wirken beruhigend und bauen Ängste ab.
- Soziale Fähigkeiten: Durch den Umgang mit Tieren lernen Menschen Rücksicht, Geduld und Verantwortung. Besonders in Gruppen stärkt der gemeinsame Umgang mit einem Tier das Gemeinschaftsgefühl.
- Selbstbewusstsein: Der Aufbau einer positiven Beziehung zu einem Tier stärkt das Selbstwertgefühl. Wer sich um ein Tier kümmert, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
- Kognitive Förderung: Im Rahmen der tiergestützten Pädagogik können auch Lernprozesse unterstützt werden, beispielsweise durch Aufgaben und Übungen, die in die Tierbetreuung eingebunden sind.
Einsatzbereiche
Die tiergestützten Interventionen finden in unterschiedlichen Bereichen Anwendung. Dazu gehören:
- Kindergärten und Schulen: Hier können Tiere eingesetzt werden, um den Unterricht zu bereichern, Ängste abzubauen und das Sozialverhalten zu fördern.
- Therapeutische Einrichtungen: Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder Verhaltensauffälligkeiten profitieren von der beruhigenden und unterstützenden Wirkung von Tieren.
- Senioreneinrichtungen: Der Kontakt zu Tieren kann bei älteren Menschen Erinnerungen wecken, das Wohlbefinden steigern und Vereinsamung entgegenwirken.
Einsatzmöglichkeiten tiergestützter Interventionen bei psychischen und emotionalen Störungsbildern
- Burnout und Stressbewältigung:
Tiergestützte Interventionen helfen, den emotionalen Druck zu reduzieren und Entspannung zu fördern. Der Kontakt mit Tieren kann eine beruhigende Wirkung haben, die dabei unterstützt, Stress abzubauen und die Resilienz gegenüber belastenden Situationen zu erhöhen. - Angststörungen:
Menschen mit Angststörungen profitieren oft vom Umgang mit Tieren, da diese ihnen helfen können, sich sicherer zu fühlen und ihre Ängste schrittweise zu überwinden. - Depressionen: Bei Depressionen wirken Tiere oft als emotionale Brücke, die Isolation und Einsamkeit durchbrechen kann. Sie bieten positive Interaktionen und fördern den Aufbau von Routinen, die bei der Bewältigung von Depressionen wichtig sind. Zudem können Tiere das Selbstwertgefühl stärken und Gefühle der Freude und Verbundenheit hervorrufen.
- Mangelndes Selbstbewusstsein: Menschen mit geringem Selbstbewusstsein können durch den positiven Umgang mit Tieren Erfolgserlebnisse sammeln, die das Selbstwertgefühl steigern. Tiere reagieren ohne Vorurteile auf Menschen, was Vertrauen und Selbstsicherheit fördert.
- Traumafolgestörungen: Bei Menschen, die an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) leiden, kann der Einsatz von Tieren eine stabilisierende Wirkung haben. Der Kontakt mit einem ruhigen, vertrauten Tier kann helfen, Flashbacks und Panikattacken zu mindern und gleichzeitig die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen zu unterstützen.
- Autismus-Spektrum-Störungen: Tiergestützte Therapie wird oft bei Menschen mit Autismus eingesetzt, da Tiere soziale Interaktionen erleichtern und helfen, emotionale Bindungen aufzubauen. Sie bieten eine non-verbale Kommunikationsebene und können das Selbstvertrauen im Umgang mit anderen stärken.
- ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung): Kinder und Jugendliche mit ADHS profitieren vom strukturierten und regelmäßigen Kontakt mit Tieren. Diese Interaktionen helfen, Impulskontrolle, Geduld und Konzentration zu fördern.
- Essstörungen: Bei Essstörungen können Tiere eine stabilisierende Rolle spielen, indem sie emotionale Unterstützung bieten und helfen, den Selbstwert zu steigern. Sie fördern Selbstakzeptanz und geben den Betroffenen oft eine neue Perspektive auf ihren Körper und ihre Bedürfnisse.
- Bindungs- und Beziehungsstörungen: Kinder und Erwachsene, die Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Beziehungen haben, profitieren oft vom Umgang mit Tieren, die helfen, Vertrauen und Empathie zu entwickeln. Tiere vermitteln durch ihre bedingungslose Akzeptanz emotionale Sicherheit.
- Suchtproblematiken: In der Suchttherapie können Tiere eine stabilisierende Funktion übernehmen. Sie geben Struktur und Verantwortung und schaffen positive Ablenkung von Suchtverhalten. Die regelmäßige Pflege und Interaktion mit einem Tier können die Konzentration auf langfristige Ziele und gesundes Verhalten fördern.
Tiergestützte Interventionen bieten eine sanfte, nicht-invasive Form der Therapie, die besonders Menschen anspricht, die Schwierigkeiten haben, sich verbal auszudrücken oder mit traditionellen Therapieformen zurechtzukommen. Durch die emotionale Bindung und die Interaktion mit Tieren können tiefgreifende Veränderungen in der Wahrnehmung und im Verhalten bewirkt werden.